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Von guten Mächten wunderbar geborgen In memoriam Walter Bogenschütz

Die Evangelische Kirchengemeinde Oberndorf hat einen ihrer verlässlichsten Mitstreiter verloren: Am 4. Juni starb Walter Bogenschütz, langjähriges Mitglied des Kirchengemeinderats und zeitweise dessen Vorsitzender, im Alter von knapp 73 Jahren. In einer bewegenden Trauerfeier würdigte Peter Berner, ehemaliger Pfarrer in Oberndorf und zu jener Zeit ein Weggefährte der Familie Bogenschütz, die Verdienste des Christenmenschen. Auf dem Lindenhof-Friedhof hat er seine letzte Ruhestätte gefunden.

Walter Bogenschütz wurde am 23. Juli 1939 in Oberndorf geboren. Als er drei Jahre alt war, fiel sein Vater im Krieg. Sein beruflicher Weg begann mit einer Kaufmannslehre im Milchwerk Rottweil. Eine Zusatzausbildung zum Bilanzbuchhalter schloss sich an, danach war Bogenschütz im Öl- und Mineralölhandel tätig, zunächst in Oberndorf, zuletzt mit eigenem Unternehmen in Nagold. Kaufmann – das war sein Wesen: Soweit möglich, plante und gestaltete er sein Dasein.

Dieses Dasein ruhte auf drei Säulen: Familie, Beruf, Kirche. Der Familienmensch hinterlässt Ehefrau Ursula sowie die Kinder Kathrin und Uwe mit den Enkelinnen Pauline und Marlene. Sein ehrenamtliches Engagement galt der Kirche. Von Mitte 1967 bis 1990 gehörte Walter Bogenschütz dem Kirchengemeinderat an, etwa zehn Jahre lang hatte er dessen Vorsitz i

Die Gründung der Sozialstation in Oberndorf ist eng mit dem Namen Walter Bogenschütz verbunden. Sie ist sozusagen sein Werk, und es war ihm wichtig, dass diese Einrichtung ökumenisch betrieben, aber von der Evangelischen Kirchengemeinde geleitet wird. Mit dieser Zielsetzung ging er seinerzeit in die Verhandlungen mit katholischer Kirchengemeinde, Kommunen und Diakonischem Werk. Ehefrau Ursula übernahm in den Anfangsjahren der Sozialstation von zuhause aus deren Leitung.nne. In jene Zeit fielen die beliebten Familienfreizeiten; ein Angebot, das Bogenschütz und der damalige Oberndorfer Pfarrer Peter Berner sehr pflegten.

Auch für das Dietrich-Bonhoeffer-Haus schlug Bogenschütz’ Herz. Er trieb dessen innere Umgestaltung voran, galt es in jenen Jahren doch als Zentrum der Kirchengemeinde. Inzwischen sind die Schwerpunkte anders gesetzt worden, heute steht auf dem Lindenhof das Gemeindezentrum im Mittelpunkt des Gemeindelebens, „unten“ in der Stadt ist es die renovierte Stadtkirche.

Von Bonhoeffer stammt ein Vers, den der Widerstandskämpfer an Weihnachten 1944 niederschrieb, wenige Monate vor seiner Hinrichtung durch die Nationalsozialisten: „Von guten Mächten wunderbar geborgen, erwarten wir getrost, was kommen mag.“

Diesen Satz stellte Peter Berner in den Mittelpunkt seiner sehr persönlich gehaltenen Trauerrede für Walter Bogenschütz, von dem er das Bild eines frommen Menschen zeichnete – „nicht im pietistischen Sinne, sondern frei und offen“, und von dem er abschließend sagte: „So einen findest Du lange nicht!“

Michael Frädrich

Veröffentlicht am   12. Oktober 2012